
Saarland & Luxemburg – Mosel
An der Mosel entlang geht es über das Saarland bis nach Luxemburg.
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Der Motorrad-Guide fürs Saarland: kurvige Strecken durch Hochwald und Bliesgau, die Saarschleife, Sehenswürdigkeiten, Werkstätten, drei Bikerhotels und Anreise.
Das Saarland ist mit rund 2.570 Quadratkilometern das kleinste deutsche Flächenland – und genau das macht es als Motorradrevier interessant. Hier wechselt man innerhalb einer Stunde zwischen bewaldeten Höhenzügen, engen Flusstälern und offener Hügellandschaft, ohne lange Transitetappen. Im Norden schiebt sich der Schwarzwälder Hochwald als südlicher Ausläufer des Hunsrück ins Land, im Südosten liegt der sanft gewellte Bliesgau, im Westen fällt der Saargau zur Saar und zur Mosel ab. Drei Reviercharaktere auf engem Raum – das ist der eigentliche Reiz.

Die Höhen sind moderat, aber vorhanden. Der höchste Punkt ist der Dollberg mit 695,4 Metern nördlich von Nonnweiler, dicht gefolgt vom Schimmelkopf (694,8 m) bei Weiskirchen – beide im Hochwald. Der bekannteste Aussichtsberg ist jedoch der Schaumberg über Tholey mit 568,2 Metern, der Hausberg der Region. Rund um diese Kuppen zieht sich ein Netz aus Landstraßen durch dichten Mischwald: Ein Drittel der Landesfläche ist bewaldet, damit liegt das Saarland beim Waldanteil bundesweit mit an der Spitze. Für Fahrer sind das schattige, kurvige Waldpassagen mit langgezogenen Radien statt hochalpiner Serpentinen.
Das Rückgrat des Reviers ist die Saar. Auf etwa 68 Kilometern durchquert der Fluss das Land, und die B51 begleitet ihn als Uferstraße von Konz über Saarburg, Mettlach und Merzig bis Saarlouis, Völklingen und Saarbrücken. Bei Mettlach verlässt die Bundesstraße das Wasser kurz, um die große Flussschleife abzukürzen – jene Saarschleife, deren Mäander sich über fast zehn Kilometer windet, während Anfang und Ende Luftlinie nur rund zwei Kilometer auseinanderliegen. Vom Aussichtspunkt Cloef bei Orscholz blickt man 180 Meter über den Fluss – das Postkartenmotiv des Landes und ein Fotostopp, kein Ort zum Schnellfahren.
Quer durch das Land laufen mehrere Achsen, die sich gut zu Runden verknüpfen lassen. Die B268 zieht von Saarbrücken über Riegelsberg, Heusweiler und Lebach nach Losheim am See und weiter Richtung Trier – die klassische Nordwest-Verbindung ins Hochwaldvorland. Die B41 führt von Saarbrücken über Neunkirchen und Ottweiler nach St. Wendel und weiter ins Nahetal; sie erschließt das Sankt Wendeler Land mit seinen weiten Kuppen. Im Norden bündelt die A62 bei Nohfelden (Anschlussstelle Türkismühle) den Verkehr, und bei Nonnweiler treffen A1 und A62 am Rand des Hochwalds zusammen. Für Höhenmeter und Kurven hält man sich nördlich dieser Linie, zum entspannten Rollen südöstlich.

Der Reiz liegt dabei im ständigen Wechsel der Höhenlagen. Zwischen den Flusstälern, die stellenweise unter 150 Meter absinken, und den Kuppen des Hochwalds mit bis zu 695 Metern liegen gut fünfhundert Höhenmeter – wenig für ein Hochgebirge, aber genug für ein lohnendes Auf und Ab. Von der Saar bei Mettlach oder Merzig klettern die Landstraßen in Kehren auf die Hochfläche des Saargaus, wo sich der Blick weitet, um im nächsten Tal wieder einzutauchen. Im Norden lockern Wasserflächen den Wald auf: der Stausee bei Losheim am See an der B268 und die Talsperre Nonnweiler im Hochwald sind natürliche Rast- und Wendepunkte, an denen sich eine Runde gut gliedern lässt. So entstehen aus wenigen Achsen viele Varianten, ohne dass sich Strecken doppeln.
Der Südosten schlägt einen anderen Ton an. Der Bliesgau zwischen Blieskastel, Homburg und St. Ingbert ist seit 2009 UNESCO-Biosphärenreservat, und seine Merkmale sind Streuobstwiesen, Muschelkalk-Hügel und das offene Tal der Blies. Statt durch Waldtunnel führen die Straßen hier über Wiesenhänge und an Obstbaumreihen entlang – langsamer, ohne Hektik, mit weitem Blick. Das Reservat umfasst gut 36.000 Hektar, rund 14 Prozent der Landesfläche, und zählt zu den wenigen dicht besiedelten Biosphärenreservaten: Dörfer, Felder und Streuobst liegen unmittelbar beieinander.
Im Westen läuft das Revier auf das Dreiländereck zu. Bei Perl an der Mosel stoßen Deutschland, Frankreich und Luxemburg zusammen; Grenzübergänge sind hier Alltag, und eine Tagesrunde kann französische oder luxemburgische Straßen problemlos einschließen. Der Saargau als Hochfläche zwischen Saar und Mosel liefert dabei weite Ausblicke, während sich die Flusstäler tief einschneiden. Von Perl aus ist die luxemburgische Mosel mit dem Weinort Schengen ebenso in Minuten erreicht wie das benachbarte französische Lothringen – wer will, hängt ein grenzüberschreitendes Teilstück an die Runde an. Weiter südlich, rund um Saarbrücken, liegen der Warndt und der Saarkohlenwald – bewaldete Reste der Bergbaugeschichte, heute ruhige Wald- und Nebenstrecken.

Das Saarland trägt seine Industriegeschichte offen: Die Völklinger Hütte, seit 1994 UNESCO-Welterbe, steht direkt an der B51 im Saartal und markiert wie kaum ein anderes Bauwerk den Übergang von der Montanregion zum heutigen Freizeitland. Neben der Saar prägen die Nebenflüsse Prims, Nied und Blies die Täler, an denen die reizvollsten Landstraßen entlanglaufen. Stauseen wie der Bostalsee bei Nohfelden – mit 120 Hektar der größte künstliche Freizeitsee im Südwesten – oder die Talsperren des Hochwalds setzen Wasser-Akzente als Rast- und Fotopunkt.
Klimatisch liegt das Saarland im milden Südwesten. Die Saison beginnt oft früh und reicht weit in den Herbst; die tiefen Lagen an Saar und Blies bleiben lange gut fahrbar, während die Hochwald-Höhen bei nasser Witterung kühler und schattiger sind. Frühjahr und Frühherbst zeigen das Revier von seiner besten Seite – klare Fernsicht vom Schaumberg über den Saargau bis zu den Vogesen, blühende Streuobstwiesen im Bliesgau, gefärbter Wald im Hochwald.
Das Saarland ist ein Revier der kurzen Wege: Waldhöhen im Norden, Flussschleifen im Westen, Obstwiesen im Südosten, drei Länder in Reichweite. Eine 300-Kilometer-Etappe braucht es hier nicht, um den Charakter zu wechseln – dafür genügt oft die nächste Talflanke.
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